Haustier gefunden in der Schweiz — was tun?
Du hast einen Hund oder eine Katze gefunden? So hilfst du richtig: sichern, Chip prüfen lassen, STMZ melden und Halter kontaktieren.
Du hast ein Haustier gefunden und weisst nicht, was jetzt richtig ist? Erst einmal: ruhig bleiben und nicht überstürzt handeln. Ein Tier, das allein unterwegs ist, ist nicht automatisch ausgesetzt oder verloren. Trotzdem kannst du mit wenigen Schritten sehr viel helfen.
Dieser Ratgeber ist für die Schweiz geschrieben und zeigt dir, was du bei einem gefundenen Hund oder einer gefundenen Katze konkret tun kannst.
1. Situation einschätzen: braucht das Tier sofort Hilfe?
Bevor du das Tier berührst oder mitnimmst, beobachte kurz die Lage.
Sofort handeln solltest du, wenn:
- das Tier verletzt wirkt
- es stark abgemagert, apathisch oder überhitzt ist
- es mitten auf einer Strasse, bei Bahngleisen oder in anderer Gefahr ist
- es panisch herumrennt oder sich nicht orientieren kann
- es ein Jungtier ist oder offensichtlich Hilfe braucht
Wenn das Tier aggressiv, sehr ängstlich oder verletzt ist: halte Abstand und rufe eine Fachstelle an. Bei akuter Gefahr kannst du die Polizei über 117 informieren. Viele Kantone arbeiten mit Tierheimen, Tierrettungsdiensten oder Fundtierstellen zusammen.
2. Hund gefunden: sichern, aber nicht bedrängen
Ein gefundener Hund wirkt manchmal freundlich, kann aber aus Stress plötzlich fliehen. Geh langsam vor:
- ruhig sprechen, nicht hektisch rufen
- nicht direkt auf den Hund zulaufen
- wenn möglich seitlich hinhocken
- keine schnellen Bewegungen
- nur anleinen, wenn es ohne Risiko geht
Hat der Hund eine Marke am Halsband? Prüfe zuerst, ob dort eine Telefonnummer, Adresse oder ein QR-Code steht. Wenn du einen QR-Code siehst, kannst du ihn mit der Smartphone-Kamera scannen. Bei einer ScanCorix-Marke öffnet sich direkt das Tierprofil im Browser — ohne App.
3. Katze gefunden: nicht jede Katze ist vermisst
Bei Katzen ist die Situation oft weniger eindeutig. Viele Freigänger bewegen sich täglich durch ihr Revier und wirken dabei für Fremde “allein”. Eine gesunde, gepflegte Katze in einem Wohnquartier ist nicht automatisch ein Fundtier.
Eher abwarten und beobachten, wenn:
- die Katze gepflegt und normalgewichtig wirkt
- sie sicher unterwegs ist
- sie keine Verletzungen zeigt
- sie sich in einem Wohngebiet normal bewegt
Aktiv werden solltest du, wenn:
- die Katze verletzt oder krank wirkt
- sie sehr dünn oder verwahrlost aussieht
- sie orientierungslos, panisch oder ungewöhnlich zutraulich wirkt
- sie in einem Keller, einer Garage oder einem Schacht eingesperrt ist
- sie ein Halsband mit Kontaktmöglichkeit trägt
Wenn du unsicher bist, mach ein Foto und frage zuerst in der unmittelbaren Nachbarschaft nach. Viele Katzen wohnen nur wenige Häuser weiter.
4. Kontaktmöglichkeit am Tier prüfen
Schau vorsichtig, ob das Tier eine Marke trägt. Typische Kontaktwege sind:
- Gravur mit Telefonnummer
- Adresse oder Name
- QR-Code auf einer Tiermarke
- Telefonnummer auf einem Halsband
Ein QR-Code ist besonders praktisch, weil du nicht raten musst, welche Nummer aktuell ist. Im digitalen Profil können neben dem Kontakt auch Hinweise stehen: etwa ob das Tier scheu ist, Medikamente braucht oder nicht angefasst werden soll.
Wichtig: Wenn ein Tier sehr gestresst ist, zwing es nicht zur Kontrolle der Marke. Sicherheit geht vor.
5. Chip auslesen lassen
Falls du keine direkte Kontaktmöglichkeit findest, ist der Mikrochip der wichtigste nächste Schritt. Der Chip kann nicht mit dem Handy gelesen werden, sondern nur mit einem Lesegerät.
Chip auslesen können normalerweise:
- Tierarztpraxen
- Tierheime
- Tierrettungsdienste
- manche Polizeistellen oder kantonale Fundtierstellen
In der Schweiz sind Hunde über AMICUS registriert. Bei Katzen ist die Registrierung meist über ANIS oder andere Tierdatenbanken möglich, je nachdem wie die Katze registriert wurde. Der Chip hilft aber nur dann schnell, wenn die Halterdaten aktuell sind.
6. Fundmeldung bei der STMZ machen
Die Schweizerische Tiermeldezentrale (STMZ) ist eine zentrale Anlaufstelle für vermisste und gefundene Tiere. Dort kannst du kostenlos eine Fundmeldung erfassen.
Eine gute Fundmeldung enthält:
- klares Foto
- Tierart, Farbe, Grösse und besondere Merkmale
- genauer Fundort
- Datum und Uhrzeit
- deine Kontaktmöglichkeit
- Hinweis, ob das Tier gesichert ist oder nur gesichtet wurde
Wenn du das Tier nicht sichern konntest, ist auch eine Sichtmeldung hilfreich. Vielleicht sucht der Halter genau in dieser Gegend.
7. Lokale Stellen informieren
Zusätzlich zur STMZ kannst du lokal nachhelfen:
- Tierheim im Umkreis informieren
- Tierarztpraxen in der Nähe anrufen
- bei Hunden: Polizei oder Gemeinde fragen, wo Fundhunde gemeldet werden
- Nachbarschaftsgruppen oder Quartierchats nutzen
- bei Katzen: direkt in der Nachbarschaft nachfragen
Poste in Social Media keine sensiblen Details wie vollständige Telefonnummern aus einer Marke. Besser: “Tier gefunden, bitte mit Beschreibung melden.”
8. Tier nicht einfach behalten
Auch wenn du helfen willst: Ein gefundenes Haustier gehört jemandem. Übergib es an den Halter, eine zuständige Stelle oder kläre mit Tierheim, Gemeinde oder Polizei, wie du korrekt vorgehst.
Besonders bei Katzen ist wichtig: Nicht jede Katze, die regelmässig vorbeikommt, braucht ein neues Zuhause. Füttern kann dazu führen, dass sie ihr eigentliches Zuhause meidet.
Was Tierhalter daraus lernen können
Je einfacher ein Finder dich erreicht, desto schneller ist dein Tier wieder bei dir. Chip und Datenbank sind wichtig, aber der Chip braucht immer ein Lesegerät. Eine Gravur ist direkt sichtbar, hat aber wenig Platz und ist bei geänderten Nummern schnell veraltet.
Eine QR-Tiermarke ergänzt beides: Finder scannen mit dem Smartphone und sehen sofort das digitale Profil mit Kontakt, Foto und wichtigen Hinweisen. Ohne App, ohne Abo, direkt im Browser.
Quellen

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